Die Gesamterneuerung der Kehrichtverwertungsanlage

Mit dem Projekt KVA 2030 machen wir die KVA Turgi fit für die Zukunft

Das Wichtigste auf einen Blick

Warum wird die KVA erneuert?

Die bestehende Anlage ist rund 50 Jahre alt. Mit der Erneuerung wird die langfristige Entsorgungssicherheit gewährleistet und der Betrieb auf den aktuellen Stand der Technik gebracht.

Was wird erneuert?

Die KVA wird als 1:1‑Ersatzanlage neu gebaut und technisch grundlegend modernisiert. Ziel ist eine robuste, energieeffiziente und umweltverträgliche Anlage.

Wer führt das Projekt?

Das Projekt wird durch das Team 2030 geleitet und von einem interdisziplinären Planerteam ausgeführt.

Bis wann?

Die Gesamterneuerung der KVA Turgi wird voraussichtlich bis etwa 2033 abgeschlossen. Die Hauptbauphase wird voraussichtlich im Jahr 2029 gestartet.

Ziel und Vorgehen

Die bestehende Kehrichtverwertungsanlage am Standort Laufäcker in Turgi wird mit dem Projekt KVA 2030 umfassend erneuert. Ziel ist es, die Entsorgungssicherheit für die Region langfristig zu gewährleisten und gleichzeitig die Anlage auf den aktuellen Stand der Technik zu bringen.

Die erneuerte KVA soll weiterhin rund 120’000 Tonnen Abfall pro Jahr verwerten können, jedoch mit deutlich verbesserter Energieausnutzung. Dazu wird die Fernwärmelieferung ausgebaut und die energetische Nettoeffizienz gegenüber heute markant erhöht. Gleichzeitig werden die Emissionen mit modernster Rauchgasreinigung auf sehr tiefem Niveau gehalten.

Grundlage des Projekts ist eine vertiefte Machbarkeitsstudie. Nach Variantenvergleich und Beschluss der Abgeordnetenversammlung (Projektierungskredit) wurde die gewählte Variante nun im Vorprojekt weiterentwickelt. Ein wesentlicher Teil der neuen Anlagenteile wird auf dem benachbarten ABW-Areal realisiert, damit die bestehende Anlage während der Bauzeit möglichst durchgehend weiterbetrieben werden kann.

Dem Projekt KVA 2030 liegen strategische Leitsätze zugrunde. Diese hat der Verbandsvorstand im Jahr 2023 definiert und beschlossen. Sie dienen dem
Team 2030 und der Projektleitung als Vorgaben, die es auf operativer Ebene im Rahmen der Projektbearbeitung zu interpretieren und umzusetzen gilt. Die Leitsätze konkretisieren die bestehenden Satzungen des Gemeindeverbands, die sehr offen formuliert sind.

Grobterminplan

Nachfolgender Grobterminplan ist stark vereinfacht. Er geht davon aus, dass keine nennenswerten externen Projektverzögerungen eintreten und dass der Realisierungskredit, dessen Beantragungszeitpunkt noch nicht festgelegt ist, gesprochen wird.

Technisches Konzept

Die neue Kehrichtverwertungsanlage KVA 2030 ersetzt die bestehende Anlage am Standort Laufäcker eins zu eins. Sie kann weiterhin rund 120’000 Tonnen Abfall pro Jahr verwerten – jedoch mit deutlich modernerer Technik und einer wesentlich besseren Energienutzung.

Kennzahl
Bestandesanlage KVA Turgi
Neuanlage KVA 2030 (Stand Vorprojekt)
Verwertungskapazität
120'000 t/a
120'000 t/a (+10% Reserve)
Bruttofeuerungsleistung
50 MW
56 MW
Anzahl Ofenlinien
2
1
Dimension Abfallbunker

ca. 5'200 m3

ca. 10'000 m3

Elektrofilter
Je 2-feldrig
3-feldrig
Rauchgasreinigung

2 Nasswäscher mit gemeinsamer

Entstickung im Reingas

1 Nasswäscher mit

Entstickung im Rohgas

Turbinenleistung

2 Entnahme-Kondensationsturbinen

5.2 MW

7.7 MW

Entnahme-Kondensationsturbine

14.5 MW

Stromverkauf
ca. 57 GWh
ca. 60 – 80 GWh
Fernwärmeproduktion

ca. 20 MW

70 – 80 GWh / a

40 – 50 MW

200 – 300 GWh / a

ENE-Kennzahl
ca. 0.6
ca. 1 – 1.2
Rückkühlung
Durchlaufkühlung
Luftkühlung

Die Anlage folgt einem linearen, effizienten Prozess:

Bunker → Einfülltrichter → Rostfeuerung → Kessel → Elektrofilter → Rauchgasreinigung

Für die Schlacke wird ein eigener Schlackebunker gebaut. Das vereinfacht das Handling und macht den Betrieb stabiler.

Bunker und Logistik: Mehr Platz und mehr Sicherheit

Die neue Anlage wird mit einer Ofenlinie betrieben. Der gesamte Logistikbereich wird grundlegend verbessert:

  • grösserer Abfallbunker mit getrennten Anliefer- und Stapelzonen
  • integrierter Shredder, beschickbar aus der Anlieferhalle oder aus dem Bunker
  • eigener Feinmüllbereich zur Reduktion von Brandrisiken
  • gedeckte Abkippstellen mit optimierter Verkehrs- und Staufläche

Moderne Rauchgasreinigung

Vorgesehen ist eine nasse Rauchgasreinigung – eine robuste und platzsparende Technologie, die sich bereits in der heutigen Anlage bewährt hat, nun jedoch modernisiert eingesetzt wird.

Diese Lösung ist:

  • stabil bei Belastungsspitzen
  • kompakt in der Bauweise
  • ideal für eine spätere CO₂-Abscheidung (CCS)

Energieerzeugung: Mehr Wärme, mehr Effizienz

Die neue Anlage nutzt die anfallende Energie deutlich besser:

  • Stromproduktion mit einer Entnahme-Kondensationsturbine
  • Ausbau der Fernwärmeleistung von heute 20 MW auf 40–50 MW
  • Rückkühlung des Abdampfes über eine Luftkühlung
  • Feinabstimmung mit den Fernwärmenetzbetreibern für optimale Einbindung

Nebenanlagen und Leittechnik

Die KVA 2030 erhält komplett erneuerte:

  • Nebenanlagen
  • Elektro-, Mess-, Steuer- und Regeltechnik
  • Leittechnik inklusive neuer Leitwarte

Die Betriebsführung sowie die Sozialräume werden direkt in die neue Anlage integriert. Von dort aus besteht direkte Sicht auf Bunker und Anlieferung.

CO₂-Abscheidung (CCS)

Bei der Abfallverwertung entsteht CO₂ – ein Teil davon aus biogenen Quellen. Mit Carbon Capture and Storage (CCS) kann CO₂ aus dem Rauchgas abgeschieden und dauerhaft gespeichert werden. Bei biogenem CO₂ führt dies zu negativen Emissionen.

CCS und KVA 2030

CCS ist noch nicht Teil des Erneuerungsprojekts. Die Anlage wird jedoch CCS ready gebaut. Das heisst:

  • Es wurden erforderliche Reserveflächen reserviert
  • Die Schnittstellen und Prozesse sind für eine Nachrüstung vorbereitet

Damit sind die Voraussetzungen für eine Nachrüstung erfüllt, sobald Finanzierung, Transport- und Speicherwege geklärt sind.

Gestaltung und Umfeld

Die neue KVA soll sich harmonisch in die Umgebung integrieren. In enger Zusammenarbeit mit der Standortgemeinde Baden wird ein Studienauftrag durchgeführt, um unterschiedliche architektonische Ansätze zu prüfen.

Gestalterisch frei bearbeitbare Bereiche (blau)

  • Fassadengestaltung und Gebäudehülle
  • Adresse und Ankunftssituation
  • Anlieferhalle inkl. Personal- und Sozialräume

Funktional fixierte Bereiche (rot und grün)

Bestimmte Anlagenteile sind aus technischen oder sicherheitsrelevanten Gründen in ihrer Position festgelegt.

Zeitplan des Studienauftrags

Der Abschluss ist für Oktober 2026 vorgesehen. Die Ergebnisse fliessen direkt in das Bauprojekt ein.

Mitwirkung der Anwohnenden

Vertreter*innen von Turgi-Sitten, Baden-Kappelerhof, Obersiggenthal-Kirchdorf und Untersiggenthal begleiten die Ideenstudie und geben Feedback zu Zwischenständen.

Erreichte Meilensteine

Nachfolgend sind die bislang erreichten Meilensteine im Zusammenhang mit dem Projekt KVA 2030 abgebildet.

April 2026
November 2025
September 2025
Mai 2025
Dezember 2024
Juli 2024
März 2024
Februar 2024
2022 – 2023
2015 – 2021

Gründung der KVA Turgi Energie AG

Die neue Tochtergesellschaft der KVA Turgi vermarktet die Wärmeenergie, deren Produktion mit der Gesamterneuerung der Anlage stark steigen wird. Den Verwaltungsrat bilden Peter Ender (Präsident), Kirsten Ernst und Philippe Ramseier. Die Unternehmensgründung ist Auslöser für ein neues visuelles Erscheinungsbild der KVA Turgi.

→ Medienmitteilung

Unterzeichnung Absichtserklär­ung mit FWS, RWB und Refuna

Die KVA Turgi als Wärmelieferantin und die Fernwärme Siggenthal AG, die Regionalwerke AG sowie die Refuna AG als Abnehmer vereinbaren eine strategische Zusammenarbeit, um die Energie aus dem Abfall optimal zu nutzen.

→ Medienmitteilung

Unterzeichnung Landkaufver­trag mit Abwasser­verband Region Baden Wettingen

KVA-Direktor Peter Ender, KVA-Vizepräsident Leo Geissmann, ABW-Präsident Philippe Ramseier und ABW-Geschäftsführer Thomas Schluep unterzeichnen den Handänderungsvertrag über eine Teilparzelle, die der ABW der KVA verkauft.

→ Medienmitteilung

Erster Infoabend für Quartierbe­völkerung mit rund hundert Teilnehmenden

KVA-Präsident Philippe Ramseier und KVA-2030-Projektleiter Martin Theiler beantworten an der Informationsveranstaltung für die Anwohnerinnen und Anwohner der Badener Quartiere Turgi und Kappelerhof zahlreiche Publikumsfragen.

→ Medienmitteilung

Ausnahmebe­willigung für die Entfernung von Hecken und Ersatz­massnahmen

Unterzeichnung Planungsver­trag mit Planergemein­schaft

KVA-Präsident Philippe Ramseier (Mitte) nach der Unterzeichnung des Planungsvertrags, flankiert von (v. I. n. r.) Matthias Walther (B+T Engineering), Andres Kronenberg (Ramboll Schweiz), Peter Ender (Direktor KVA Turgi), Flavio Bettoni (B+T Engineering), Arndt Fiedler und Petra Lüthy (beide Fiedler Beck Ingenieure).

→ Medienmitteilung

Vergabe Planungs­leistungen an Planergemein­schaft unter Federführung der Ramboll AG

Zur Planergemeinschaft gehören u. a. Matthias Walther (B+T Engineering, Gesamtprojektleitung) und Andres Kronenberg (Ramboll Schweiz, Verfahrenstechnik). An der Abgeordnetenversammlung vom 22.5.2024 posierten sie gemeinsam mit Vertretern von KVA 2030 vor der KVA Turgi.

→ Medienmitteilung

Vereinbarung über Areal­nutzung mit Abwasserver­band Region Baden Wettingen (ABW)

Zur Planergemeinschaft gehören u. a. Matthias Walther (B+T Engineering, Gesamtprojektleitung) und Andres Kronenberg (Ramboll Schweiz, Verfahrenstechnik). An der Abgeordnetenversammlung vom 22.5.2024 posierten sie gemeinsam mit Vertretern von KVA 2030 vor der KVA Turgi.

→ Medienmitteilung

Machbar­keitsstudie

25.5.2023: Abgeordnetenversammlung (Genehmigung Landerwerb)
→ Medienmitteilung 

27.9.2023: Abgeordnetenversammlung (Bewilligung Projektierungskredit)
→ Medienmitteilung

Strategieprozess

2015: Start Strategieprozess

2016–2020:
Kooperations­­­­­abklärungen mit Limeco (Dietikon)
und KVA Buchs

2021: Wieder­aufnahme interner Strategie­prozess

Team 2030

Der Projektumfang übersteigt die Kapazitäten des Vorstands des 62 Mitglieder zählenden Gemeindeverbands Kehrichtverwertung Region Baden-Brugg.

Er hat deshalb eine Baukommission eingesetzt («Team 2030»), die an ihn rapportiert und folgendermassen zusammengesetzt ist:

Philippe Ramseier

Vorsitz Präsident

Stefan Bossard

Vorstandsmitglied

Reto Grunder

Vorstandsmitglied

Peter Ender

Verwaltungsratspräsident
KVA Turgi Energie AG

Martin Keller

Experte Bau

Petra Kuster

Vorstandsmitglied

Martin Theiler

Projektleiter KVA Turgi

Peter Zeller

Betriebsleiter KVA Turgi

Tobias Lampart

Produktionsleiter KVA Turgi

Planerteam GP Team Turgi 2030

Verfahrenstechnik und Gesamtprojektleitung
Hochbau, Leitung Bau
Tiefbau
Planung EMSRL-T
HLKS
Behördenengineering

Urs Käser AG

Brandschutz

Medienspiegel

11.06.2026

Umweltblog

KVA 2030: Ein Generationenprojekt in Turgi
23.05.2026

Badener Tagblatt

380 Millionen Franken für den Abfall von morgen

23.05.2026

Die Botschaft

Eine Flamme für die neue KVA

21.05.2026

Rundschau Süd

Wärmeenergie gegen Klimaemissionen

11.12.2025

Rundschau Süd

Fernwärmeanbieter spannen zusammen

22.11.2025

Die Botschaft

KVA Turgi und Fernwärme-Anbieter spannen zusammen

22.11.2025

Badener Tagblatt

Vier Energieversorger bündeln Kräfte

25.9.2025

Rundschau Süd

Landkauf der KVA Turgi im Trockenen

20.9.2025

Badener Tagblatt

Landkauf macht Neubau der KVA Turgi möglich

30.5.2025

Rundschau Süd

KVA kauft Land für 18 Millionen Franken

26.5.2025

Badener Tagblatt

KVA Turgi will Energieverkauf in neue Firma auslagern

24.5.2025

Die Botschaft

Energieverkauf soll in separate Firma ausgelagert werden

22.8.2024

Badener Tagblatt

Artikel über das Vorentscheidgesuch für eine Heckenrodung mit ökologischen Ersatzmassnahmen

29.5.2024

Rundschau Süd

Die Erneuerung der Anlagen ist auf Kurs

25.5.2024

Die Botschaft

Projektierung für neue Anlage hat begonnen

25.5.2024

Badener Tagblatt

325-Millionen-Projekt nimmt Fahrt auf

November 2023

Baden aktuell

Kehricht ist wertvoll – Turgi bleibt
«Heizzentrale» für die Region

3.10.2023

Reussbote

Startschuss für 325-Millionen-Bauprojekt

30.9.2023

Die Botschaft

Abfall verwerten 2030+

29.9.2023

Badener Tagblatt

Startschuss für 325-Millionen-Bauprojekt

21.9.2023

Rundschau Nord

Baubeginn 2027 als grosses Ziel

19.9.2023

Reussbote

KVA plant Investitionen von 325 Millionen

12.9.2023

Badener Tagblatt

KVA Turgi: Millionen für die Erneuerung

8.9.2023

ArgoviaToday

Aargauer KVA Turgi soll für 325 Millionen Franken erneuert werden

7.6.2023

Rundschau Nord

KVA Turgi sichert Landreserven

26.5.2023

Badener Tagblatt

KVA Turgi sichert sich als Landreserve das Merz-Areal ennet der Gleise

Auskunftsperson

Philippe Ramseier
Präsident Gemeindeverband Kehrichtverwertung Region Baden-Brugg

p.ramseier@kvaturgi.ch

 

Medienkontakt

Röthlin & Röthlin. Kommunikation
Thomas Röthlin
5405 Baden-Dättwil

078 649 04 91
mail@roethlins.com

Häufig gestellte Fragen

Die schweizweiten Kapazitätsreserven betragen rund 10 Prozent. Die Schweizer KVAs sind jedoch mit Abfällen aus dem grenznahen Ausland gut ausgelastet. Zudem sind Reservekapazitäten wegen regelmässigen Revisionen und potenziellen Anlagenausfällen nötig. Aufgrund des Bevölkerungswachstums nimmt die Abfallmenge trotz vermehrtem Recycling insgesamt kaum ab. Ein Verzicht auf die KVA Turgi müsste also andernorts kompensiert werden. Von ihrer Abwärme profitieren die Fernwärmenetze der Fernwärme Siggenthal AG und der Regionalwerke AG Baden, wobei Letztere stark ausgebaut werden. Die Fernwärmebetreiberin Refuna ist auch an einem direkten Anschluss an die KVA Turgi interessiert, zumal das Kernkraftwerk Beznau voraussichtlich 2032/33 stillgelegt wird und damit keine Wärme mehr liefern kann.

Die geschätzten Investitionskosten gemäss Machbarkeitsstudie betragen 325 Mio. Franken (inkl. Landumlegung ABW, exkl. Carbon Capture and Storage). Die KVA Turgi hat bis Ende 2024 Rückstellungen für die Anlagenerneuerung in der Höhe von rund 150 Mio. Franken gebildet. Es kann davon ausgegangen werden, dass die KVA Turgi auch in Zukunft konkurrenzfähige Entsorgungstarife wird anbieten können – insbesondere angesichts des aktuellen Fernwärmepreises: Dieser liegt deutlich unter dem Branchenschnitt, da der KVA lediglich der durch ihre Wärmeproduktion entgangene Stromerlös entschädigt wird. In der Aufbauphase der Mitte der 1990er-Jahre gegründeten Fernwärme Siggenthal AG hat das Sinn gemacht. Für die Zukunft fordern die KVA-Eigentümerschaft und der Preisüberwacher zurecht, dass die Fernwärme zu marktüblichen Preisen verkauft wird.

Das historische Kerngeschäft der KVA Turgi ist die zuverlässige, kostengünstige und saubere Entsorgung des Kehrichts, namentlich für die 62 Mitgliedsgemeinden (Siedlungsabfall). In den letzten Jahren ist auch der Energieverkauf zunehmend in den Fokus gerückt. Mit Projekt KVA 2030 soll er nun nochmals auf ein neues Level gehievt werden. Dank zusätzlicher Leitungen, verbesserter Technik und Wärmespeichern wird die KVA Turgi einen guten Teil des Wärmebedarfs von der Regionalwerke AG Baden (RWB), der Fernwärme Siggenthal AG (FWS) und der Refuna AG decken können. Zudem kann der Stromverkauf u. a. auch durch die Nutzung von Batteriespeichern und der Teilnahme am Regelmarkt, welcher der Stabilisierung des Stromnetzes dient, optimiert werden. Die Ergreifung dieser Chancen erfordert nicht nur Investitionen, sondern auch andere Kompetenzen im Betrieb. KVA-Vorstand und Abgeordnete sind der Meinung, dass sich dies am besten durch die Auslagerung des Energiegeschäfts in eine 100%-Tochterfirma erreichen lässt. Diese kann z. B. auch Investitionen in die übergeordnete Optimierung der Fernwärmeversorgung in der Region tätigen, sodass möglichst viel der im Abfall enthaltenen Energie an die umliegenden Netzbetreiber verkauft werden kann. Und die KVA Turgi kann sich weiterhin auf ihre Kernkompetenzen im Bereich Abfallentsorgung konzentrieren.

Die gewählte Erneuerungsvariante hat zur Folge, dass gewisse Infrastrukturanlagen der Kläranlage Laufäcker verschoben werden müssen. Trotzdem wird diese ihrem gesetzlichen Auftrag auch während der Umbauphase vollumfänglich nachkommen können. Zudem ergeben sich für die Kläranlage auch betriebliche Optimierungen. Nicht zuletzt entschädigt die KVA Turgi den Abwasserverband ABW mit einer pauschalen Abgeltung von 18 Mio. Franken, was für die Beanspruchung der Teilparzelle und den Realersatz angemessen ist.

Im Nachgang der Entdeckung der grossen Dioxinbelastungen bei der KVA in Lausanne hat der Kanton Aargau Dioxin-Messungen im Umland der Aargauer KVAs durchgeführt. Für KVA Turgi haben die systematischen Messungen erfreulicherweise ergeben, dass keine grossen Belastungen bestehen. Bei einem Probestandort war zwar der sogenannte Prüfwert leicht überschritten. Allerdings ist eine Sanierung nicht nötig. Erfreulich ist auch, dass die Belastung seit der letzten Messkampagne in den 1990er-Jahren nicht zugenommen hat. Dies bestätigt, dass unsere Rauchgasreinigung seit der Nachrüstung in den 1990er-Jahren gut funktioniert. Vor 50 Jahren war dies noch nicht der Fall, es gab ja auch noch keine gesetzlichen Grenzwerte. Aus dieser Zeit stammen allfällige Dioxinbelastungen im Zusammenhang mit KVAs.

Eine CCS-Anlage (Carbon Capture and Storage) ist zwar nicht Bestandteil des Erneuerungsprojekts gemäss Projektierungskredit. Parallel zum Vorprojekt werden jedoch auch für eine mögliche Umsetzung von CCS die Grundlagen erarbeitet. Damit erfüllt die KVA Turgi die Branchenvereinbarung mit dem Departement UVEK, wonach die KVAs Vorbereitungen für die Umsetzung von CCS bis 2050 treffen müssen, während eine Pilotanlage bis 2030 in Betrieb gehen muss. Diese erste Abscheidungsanlage wird voraussichtlich bei der KVA Linth in Niederurnen (GL) realisiert und von allen Schweizer KVAs gemeinsam finanziert. Aktuell erhebt die KVA Turgi (wie alle anderen KVAs in der Schweiz) zu diesem Zweck 27.5 Rappen pro angelieferter Tonne Abfall, wobei dieser Betrag ab 2027 auf mutmasslich 10 Franken steigen wird. Wie stark dieser Beitrag auf die Entsorgungspreise abgewälzt wird, ist noch nicht entschieden. Deutlich steigende Tarife hätte der Einbau einer eigenen CCS-Anlage in der KVA Turgi zur Folge, zumal eine solche Anlage aus heutiger Sicht sowohl in der Anschaffung als auch im Betrieb hohe Kosten verursacht. Einen entsprechenden Kreditantrag macht der Vorstand u. a. davon abhängig, dass ein schweizweiter Finanzierungsmechanismus etabliert ist.